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Mahler 9

Gustav Mahlers Neunte Sinfonie gilt als musikalischer Abschied: von der Spätromantik und von einer Welt am Rand des Umbruchs. Entstanden 1908–1909 wirkt das Werk rückblickend wie eine Vorahnung des Ersten Weltkriegs. Zerbrechliche Klänge, abrupte Brüche und groteske Tänze spiegeln eine brüchig gewordene Ordnung. Besonders das langsame Verklingen des Finales wirkt wie ein Loslassen, ein Verstummen alter Gewissheiten. Die Neunte steht damit für das Ende einer Epoche – persönlich wie historisch – und für den Abschied von einer europäischen Kultur, die 1914 unwiderruflich zerbrach. Nichtsdestotrotz ist sie keine düstere Abschiedsmusik, sondern voller Ironie, Zärtlichkeit und Lebenslust. Der erste Satz beginnt mit einem schwankenden Rhythmus, den manche als Anspielung auf Mahlers unregelmäßigen Herzschlag deuten und die beiden mittleren Sätze sind fast Karikaturen von Tänzen. Aber auch abseits solcher Zuschreibungen gilt die Sinfonie als Mahlers beste Komposition, und wer einmal das lange Verklingen des letzten Satzes bin ins Nichts gehört hat, spürt, dass es sich hier um ein Ausnahmewerk der Musikgeschichte handelt.
Mahler war übrigens ein abergläubischer Mensch und glaubte an den „Fluch der Neunten“, dem seiner Meinung nach bereits Beethoven, Bruckner und Schubert zum Opfer gefallen waren. So weigerte er sich, sein vorheriges Werk „Das Lied von der Erde“ als Neunte Sinfonie zu bezeichnen, obwohl es oft als solche angesehen wird.

Programm

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 9 D-Dur

Mitwirkende

Sir Donald Runnicles
Dirigent

Dresdner Philharmonie
Orchester